Anfang des 19. Jahrhunderts begann der Aufschwung des deutschen Rudersportes. Schon um 1910 gab es mehr als 300 Rudervereine mit ca. 57.000 Mitgliedern im Deutschen Ruderverein. Auserlesene , politische aktive und gut Betuchte führten diese Wassersportvereine und verhalfen einen enormen Aufschwung. Kommerzienrat Georg Wilhelm Büchsenstein, welcher das Jagdschloss Hubertushöhe in Storkow besaß, war von 1903 bis 1919 Vorsitzender des Deutschen Ruderverbandes.

Somit lag es sehr nahe, dass am 15. November 1919 die
Storkower Rudervereinigung 1919 e.V.
gegründet wurde.

Überlieferte Gründungsmitglieder unter anderem waren W. Leppler, A.Ulbricht, A. Eitner, K. Lindner und W. Taubert. Es waren Fabrikbesitzer und Handwerker, die nach dem 1. Weltkrieg, trotz wirtschaftlicher, politischer und finanzieller Sorgen im Rudersport und im Verein sinnvoll ihre Betätigung finden wollten. Nicht zuletzt durch die schöne Natur der Seen um Storkow. Somit gab es Rudervereine in Fürstenwalde, Beeskow, Königs Wusterhausen, Erkner und Storkow, die bis heute aktiven Rudersport betreiben.

Die Boote, Riemen , Skulls und anderes Bootsmaterial wurde in einem Schuppen des Restaurants Karlslust gelagert. Das Vereinsleben spielte sich somit in Gaststätten und privaten Geländen auf. Der Bau des heutigen Bootshauses begann um 1924 und zog sich durch Inflation und leere Kassen viele Jahre hin. Die feierliche Zeremonie der Einweihung erfolgte am 28. Juni 1925.
Anlässlich des 15jährigen Stiftungsfestes am 10.11.1934 berichtet der Vorstandsvorsitzende Robert Ringk rückblickend auf das Jahr 1924 über das Bauvorhaben ‚Bootshaus’:

„Auf die baufällige alte Badeanstalt hatten wir es abgesehen. Neuwahl der Stadtverordneten stand für Mai bevor, die würde fortschrittliche, neue, für die Jugendertüchtigung verständnisvolle Männer bringen. ... In stiller Gemeinschaft zwischen Ringk und Kampffmeyer ging aber schon ein Gesuch noch an die alte Stadtverordnetenversammlung ab. Und siehe da: Angenommen !!! Kaum waren die neuen Herren da, gab es Stunk! Herr Benz und Herr Rokol gingen scharf gegen den Beschluss vor! Die Stadtverordnetensitzung vom 16. 5. versuchte die Verpachtung des jetzigen Platzes an uns rückgängig zu machen. ... In einer öffentlichen Volksversammlung der SPD bei Kupper, noch im Mai, wurde dann das ‚Volk’ aufgefordert, gegen diesen Beschluss der Stadt Protest zu erheben. Der ‚Volksbeschluss’ wurde auch gefasst, war aber ohne Wirkung, weil jedem offenbar war, dass es kein Volksbeschluss war. Die Hälfte des Saales füllten wir Ruderer und ihre Freunde, die andere Hälfte waren bekannte SPD-Angehörige.
Am 5. Juni (1924), nachmittags ½ vor 5 Uhr erfolgte schon die feierliche Grundsteinlegung, bei der auch die Städtischen Körperschaften vertreten waren. (Für mich brachte der große Tag zweierlei: Die Ehre der drei Hammerschläge und die Feindschaft der SPD.) Es wurde ein arbeitsreiches Jahr und neue Kameradschaft erwuchs. Die Baukasse führte Paul Buller mit Schulze, Schünke, Schröder; die Bauausführung lag in Händen von Walter Berger mit Prömmel, Max Kampffmeyer, Bronsert.“
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Am 28. Juni 1925 wurde das Bootshaus eingeweiht. Die Bauzeichnung, angefertigt von Baumeister Johannes Prömmel, ist erhalten geblieben und Eigentum der Rudervereinigung.

Mit dem Eintritt in den Deutschen Ruderverband und dem Regattaverein Mittlere Oder im März 1925 traten bereits die ersten Erfolge bei Regatten ein.
In dieser Zeit entwickelte sich das Vereinsleben, welches bis heute traditionell weiterlebt. Anrudern, Abrudern, Fasching, Ostereierkullern (früher Fackelumzüge durch Storkow) und interne Weihnachtsfeiern erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit.

Nach dem Krieg wurde der Ruderverein Teil der Zentralen Sportvereinigung Storkow und unterstand der kommunalen Verwaltung. Seit April 1950 konnten die Ruderer wieder ihr Bootshaus nutzen. Während des Krieges diente das Bootshaus dem Stab der Reichsluftwache als Beobachtungsposten. Mit Kriegsende nutzte es die Rote Armee. Nicht zuletzt durch die Zerstörung des Strandbades durch eine Fliegerbombe war der Bootspark während des Krieges komplett zerstört worden. Die Bootshalle war als Viehstall genutzt worden.
Langjährige freundschaftliche Verbindungen der Storkower Ruderer zu vielen Berliner Rudervereinen, insbesondere zur BSG Medizin Köpenick, ermöglichten die Bereitstellung von Ruderbooten, wie Gigs und Rennbooten. Unter vielen Anstrengungungen wurde versucht, den Volkssport in Storkow wiederzubeleben. 1951 bis 1954 konnten so in Storkow Ruderregatten durchgeführt werden.

Betriebssportgemeinschaften bildeten die materielle und finanzielle Grundlage für die Entwicklung des Rudersports im Osten Deutschlands.
Um 1954 wurde in Storkow die Betriebssportgemeinschaft „Einheit Storkow“, Sektion Rudern gegründet. Erfolgreiche Storkower Ruderer in den 50/60er Jahren waren unteranderem
- Bernd Strahl,
- Gerd Lehmann(bis heute aktiver Trainer unseres Vereines),
- Dietmar Schmidt,
- die Ruderinnen Irmgart Wolf,
- Waltraut Karafiat,
- Marion Lehmann,
- Carola Richter,
- Carmen Greulich,
- Veronika Goletzke und Gabriele Leeder.

Der Storkower Rennruderer Helmut Gerds errang 1960 den Titel eines DDR-Jugendmeisters im Einer. 1961 wurde er in dieser Bootsklasse sogar DDR-Meister bei den Männern.

Mit der Aufteilung des Wettkampfsystemes in Betriebssportgemeinschaften und Sportclubs erfolgte die Einführung zur Konzentration von Leistungssport in der DDR. Somit erfolgte die Umbenennung des Rudervereins in BSG „Fortschritt Storkow“. Der Trägerbetrieb wurde die Schuhfabrik Storkow. Die Erweiterung des Bootsbestandes und die der personellen Ressourcen führten zu Erfolgen des Trainingszentrums. Neben der Delegierung von Ruderers zu diversen Sportclubs konnten 5 DDR-Meistertitel, 12 Bezirksmeistertitel und 16 Spartakiadesieger erringen.
Hohen Anteil an den Erfolgen der Jugendlichen hatten Gerd Lehmann, ehemaliger DDR Meister im Einer und Zweierin den 60er Jahren, Rudolf Stebner und Hans Fenske.

Ausnahmeathletin war Jana Thieme aus dem Storkower Ruderverein. Jana erlernte im Storkower Trainingzentrum frühzeitig das Rudern und erkämpfte unter Anleitung ihres Trainers Gerd Lehmann bei der Kreis-Kinder-und-Jugendspartakiade im Jahre 1981 3 Goldmedaillen. Sie wurde zum SC Berlin-Grünau delegiert und konnte insgesamt zwei Juniorenweltmeistertitel, acht Deutsche Meistertitel, sechs Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften und einen Olympiasieg im Jahre 2000 in Sydney erringen. Bis heute ist sie eine der erfolgreichsten Sportlerin des Rudersportes.

Nach der Wende wurde am 2. Oktober 1990 die „Storkower Ruder-Vereinigung 1919 e.V.“ mit dem Sitz in Storkow unter laufender Nummer 31 des Vereinsregisters des Kreisgerichts Beeskow registriert.

Diese Zeit stellte für den Verein eine große Herausforderung dar. Der Trägerbetrieb war weggefallen, und somit musste die Finanzierung auf neue Beine gestellt werden. Die Mitgliederzahlen schrumpften, da der monatliche Vereinsbeitag von 1,30 DM nicht mehr gehalten werden konnte. Auch waren die jüngeren Übungsleiter mit dem zunehmenden Abbau der Arbeitsplätze in der Region in jenen Jahren gezwungen, einer Arbeit ‚nachzuziehen’ und Storkow aus beruflichen Gründen zu verlassen. Einer ehrenamtlichen Arbeit standen sie nicht mehr zur Verfügung.
Neben den Mitgliederschwund galt es Fragen der Eigentumsverhältnisse des Bootshauses und dessen Modernisierung zu klären.

Die „Storkower Ruder Vereinigung 1919 e.V.“ hatte im Jahre 2008 56 aktive und passive Mitglieder. Vorsitzender war und ist bis heute Ralf Thormählen.
Die aktiven Ruderer des Vereins erleben auf ihren Trainings- und Wanderfahrten wie eh und je die Schönheit der Natur; sie wissen die Idylle des Storkower Sees und der angrenzenden Seenlandschaft zu schätzen.

Die Kindergruppe des Vereines ist auf sieben Ruderer zurückgegangen und Übungsleiter Gerd Lehmann steht auch noch nach den vielen Jahren der Betreuung von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung.

Viele Ruderer aus der gesamten Bundesrepublik Deutschland nehmen in den Saisonmonaten Quartier im Storkower Bootshaus starten Sternwanderfahrten und genießen die einzigartige Natur auf dem Wasser und zu Land.

Vorrangiges Anliegen der „Storkower Ruder Vereinigung 1919 e. V.“ ist heute – wie auch in der Vergangenheit – Kinder und Jugendliche für den Rudersport zu begeistern. Den Mitgliederbestand wieder auf das Niveau der 1980er Jahre anzuheben, indem ehemalige Ruderer wieder als Mitglied gewonnen werden und erwachsene Interessierte an diesen Sport herangeführt werden, ist ein weitere Zielstellung.


Die enge Verbundenheit der Vereinsmitglieder mit ihrer Sportart zieht sich wie ein roter Faden durch die Jahrzehnte der guten und schwierigen Zeiten des Bestehens des Vereins hinweg. Diese Tradition fortzusetzen ist eine anspruchsvolle Aufgabe.

Weitere Informationen über unsere Vereinsgeschichte können Sie im Buch Storkow (Mark) - Einblicke in die Geschichte einer 800-jährigen Kleinstadt entnehmen.
1 Aufzeichnungen anlässlich des 75jährigen Jubiläums der Storkower Ruder-Vereinigung 1919 e.V. 1994

Presseartikel


"Einer und Doppelzweier erhalten Namen"
30.04.2013 - Märkische Oderzeitung

"Einer gewann den Äquator-Preis"
14.08.2009 - Märkische Oderzeitung





Bilder aus der Geschichte



1922


1922


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